Grüner Ökopopulismus gegen Kunststofftragetaschen

Bad Homburg, den 5. Dezember 2011 – Eigentlich haben die Grünen immer viel Wert auf ihre Glaubwürdigkeit gelegt, wenn es um Umweltprobleme ging. Das hat sich jetzt geändert. Zumindest die Forderung der Grünen anlässlich der Bundesdelegiertenkonferenz nach einem Verbot von Kunststofftragetaschen trägt eindeutig eine ökopopulistische Handschrift.

Als fadenscheiniges Argument für ein Verbot dieser Tragetaschen in Deutschland wird die Verschmutzung der Meere angeführt. Sollte den Grünen etwa entgangen sein, dass seit über 20 Jahren große Erfolge bei der Entsorgung und Verwertung von Kunststoffverpackungen im Rahmen der Verpackungsverordnung erzielt wurden? Mittlerweile beträgt die Verwertungsquote bei Kunststoffverpackungen 97 Prozent. Die Folge: Wir haben in Deutschland weder ein Littering-Problem mit Kunststofftragetaschen noch landen diese zuhauf im Meer. Die Behauptung der Grünen ist schlichtweg falsch.

Sie unterstellt zudem den Bürgern eine Wegwerfmentalität. Das Gegenteil ist der Fall. Über 90 Prozent der Verbraucher sammeln Verpackungen im Gelben Sack. Unwahr ist auch die Aussage der Grünen, es gäbe bereits Tragetaschen aus nachwachsenden Rohstoffen, die sich in der Natur zersetzen. Ein Kunststoffmaterial, das sich innerhalb kurzer Zeit von selbst auflöst, existiert bisher nicht. Vielmehr werden diese sogenannten bioabbaubaren Tragetaschen in deutschen Kompostieranlagen aussortiert, weil ihre Zersetzung zu lange dauert. Auch für den Recyclingprozess sind sie nicht geeignet.

Die Grünen sind in diesem Zusammenhang gut beraten, sich mehr an Sachargumenten zu orientieren als ideologische Feindbilder aufzubauen. Im Übrigen schneiden die herkömmlichen Kunststofftragetaschen auch bei den Themen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung hervorragend ab. Sie bestehen aus dem Kunststoff Polyethylen, der überwiegend aus Erdöl hergestellt wird. Statistisch betrachtet benutzt ein Bundesbürger im Jahr 65 Kunststofftragetaschen mit einem durchschnittlichen Gewicht von jeweils 15 g. Das sind insgesamt 975 g Polyethylen, hergestellt aus ungefähr der gleichen Menge Öl. Gerade mal so viel Öl, wie für die Herstellung von nur 1 Liter Benzin benötigt wird. Bei einem durchschnittlichen Benzinverbrauch von 7,5 Litern auf 100 Kilometer entspricht dies einer Fahrstrecke von 15 Kilometern.

Auch dieses Beispiel macht deutlich, dass die Nutzung von Kunststofftragetaschen in Deutschland eine untergeordnete Umweltrelevanz hat. Dies betrifft auch den Vergleich mit anderen Verpackungsmaterialien. Die Forderung der Grünen, ab sofort eine sogenannte Umweltabgabe für Kunststofftragetaschen von 22 Cent zu erheben, um alternative Verpackungsmaterialien zu fördern, ist deshalb ebenfalls nicht gerechtfertigt.

Aus Sicht der IK sollte die robuste und feuchtigkeitsabweisende Tragetasche aus Polyethylen mehrfach verwendet werden. Die IK setzt sich deshalb dafür ein, die Verbraucher auf die Mehrfachnutzung durch Hinweise auf der Tragetasche aufmerksam zu machen.